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Narrenzunft
Schramberg e.V.
Schramberg ist nicht wie die meisten jungen Städte aus einem
Dorf entstanden, sondern hat sich vielmehr aus einem Marktflecken
heraus zu einer wichtigen Industriestadt
entwickelt. 1547 erhielt Schramberg das
Marktrecht zuerkannt. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt sorgen
für ein pulsierendes Leben und verstehen Feste zu feiern. Eines dieser Feste
nennen sie das größte Fest des Jahres "die Fasnet". Es lässt
sich nicht genau feststellen, seit wann in Schramberg Fasnet gefeiert wird.
Um das Jahr 1500 herum mußten die wenigen Bewohner des Fleckens bereits
als Bodenzins die "Faßnachtshenne" entrichten. |
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Trotz bitterer Armut und quälendem Hunger berichten die Amts-
und Gerichtsprotokolle aus dem 17. und 18. Jahrhundert immer wieder
von Ausschreitungen in der Fasnet. Im Jahre 1699 gab es am "Fasnachtzinstag
Rauff- und Schlaghändel während der Fasnacht bey öffentlichem
Danz" Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde die Fasnet schon auf
höchst närrische Weise abgehalten und zwar in Form von Fasnetsbällen
und öffentlichen Fasnetsspielen. Für die Jugend war die Fasnet
von jeher ein besonderes Fest. Ihretwegen wurden sogar eigene Fasnetsbälle
veranstaltet, jedoch unter Aufsicht älterer Männer. Ein interessanter
Schriftwechsel aus dem Jahre 1820 des damaligen katholischen Pfarrers
nahm Bezug auf das königliche Dekret vom 29. Januar 1809, in welchem
ausdrücklich Narrenspiele verboten wurden. Er bat den Gemeinderat
dafür zu sorgen, dass sich das Narrentreiben nicht über den
Aschermittwoch hinaus erstreckt. Hungersnot herrschte in den Jahren
1851 - 1853. Die gräfliche Familie von Bissingen brachte den Bäckarn
Mehl, um das Elend etwas zu lindern. Es wurden Plätzchen gebacken
und besonders an die Kinder verteilt. Als Erinnerung an die schwere
Zeit wurden später Brezeln gebacken, wie sie heute noch an der
Fasnet zu tausenden an die Bevölkerung verteilt werden. Es war
von Mitte des 19.Jahrhunderts noch ein weiter Weg bis sich die Schramberger
Fasnet mit ihren Hansel, Narros, Bruele, Kehraus, Büttel und den
Bach-na-Fahrern durchsetzte. Um dem ausgelassenen Treiben ein Ende
zumachen haben sich aktive Narren zusammengefunden und gründeten
am 23.Februar 1911 eine "Karnevalsgesellschaft". Gleichzeitig
wurde eine Satzung erstellt und beschlossen, dass wieder nach 18-jähriger
Unterbrechung am Fasnetsmontag ein Umzug unter dem Motto" Schramberg
vor 100 Jahren" durchgeführt wird. Die folgenden Jahre brachten
wieder finanzielle Schwierigkeiten und der erste Weltkrieg ließ weitere
Umzüge nicht zu. Das Narrentreiben von Schellenhanseln und Dominos
wurden vereinzelt, insbesondere von Kindern, durchgeführt. Am
16.Oktober 1924 gab es wieder eine Neubelebung unter dem Namen "Faschingszunft
Schramberg". Unter diesem Namen wurde die Faschingszunft Gründungsmitglied
der "Vereinigung badischer und württembergischer althistorischer
Narrenzünfte" (heute "Vereinigung schwäbisch-alemannischer
Narrenzünfte"). Die alemannische Fasnet fundierte sich immer
mehr und so kam es auch 1931 zu der Umbenennung des Namens in "Narrenzunft
Schramberg e.V." Bereits 1949 wurde beschlossen, die bereits vorhandenen
und alle neuen Kleidle einer kritischen Prüfung zu unterziehen
und zu registrieren. Man legte Wert auf heimisches Brauchtum, und so
kam es auch, dass anfang des 20. Jahrhunderts und später neue
Narrentypen und Brauchformen entstanden. Am 24. Februar 1936 fand die
erste "Da-Bach-na-Fahrt" statt. Dieses Gaudium hat sich als
origineller Brauch, einmalig im schwäbisch-alemannischen Raum,
erhalten und lockt jedes Jahr über 10000 Besucher nach Schramberg. |
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Die
beherrschende Narrenfigur unter den Kleidlesträgern ist der Hansel.
Er gehört zu den Weißnarren, wie sie hauptsächlich auf der
Baar zu finden sind. Geschaffen wurde der Schramberger Hansel 1925. Die Larve
- von
Bildhauermeister Cajetan Schaub aus Lindenholz geschnitzt - war zunächst
in der Form etwas wuchtig ausgefallen, sodaß einige Jahre später
die jetzige kleinere Larve geschaffen wurde. Die Larve, ein freundlich-glattes
Gesicht
mit Knebelbart, ist umrandet mit einem Rosshaarkränzchen das mit schwarz-gelben
Mäschchen geziert ist. Das Häs ist aus weißem Leinen. Bemalt
wurden die Kleidle bis 1960 mit Ölfarbe und danach mit Stofffarbe. Rechts
und links der Haube ist das Gesicht von Hans |
und Gretel
aufgemalt und der Fuchsschwanz befestigt, der auf die "närrische
Schlauheit" hinweisen soll. Fuchs und Has sind zwei Tierfiguren
auf der rechten und linken Brustseite der Hanseljacke. Sie sollen
die Schlauheit (Fuchs) und Harmlosigkeit (Hase) darstellen. Vögel,
Schmetterlinge und Tupen auf dem Vorderärmel
der Jacke erinnert uns an den blütenreichen Frühling; auf der
Rückseite der Ärmel finden wir Gewächse des Gartens Rettiche,
Lauch, Kopfsalat. Auf der Rückseite der Jacke ist das Stadtwappen
mit Greif, dessen Schwert mit Brezeln gefüllt ist. Die Vorderbeine
des Schramberger Hansels zeigen uns Bär mit Honigglas und Tulpe
und Löwe mit Weinglas und Tupe. Über den Tiergestalten sind
Stechpalmenblätter mit roten Beeren. Auf der Rückseite der
Hose finden wir Hans mit dem Narrenkolben und der Narrenwurst und die
Gretel mit Strohtasche und "Kamm". Sinnbildlich ausgedrückt;
Hans "neckt" und die Gretel "strählt". Beides
sind Eigenschaften eines Narren. In Anspielung auf die heimische Uhrenindustrie,
wurde auf das Gesäß eine Sonnenuhr aufgemalt. Die Zeiger stehen
auf 3/4 12 Uhr und sollen an die Vergänglichkeit der Fasnet erinnern,
die am Aschermittwoch endet. Eine farbenprächtige Masche und eine
gelbe Halskrause mit schwarzen Bobbeln verleihen dem Hansel Vornehmheit
und Majestät. Um den Leib trägt der Hansel ein Geschell, das
in alter Zeit als Frühlingsbeschörer galt, aber auch zur Austreibung
böser Geister diente. In der Hand hat der Hansel eine Brezelstange
auf der die zum Auswerfen vorbereiteten Brezeln gesteckt werden. Am Handgriff
der Brezelstange ist ein geschnitzter Salatkopf, der an den Spottnamen
der Schramberger erinnern soll. Schon im 19. Jahrhundert nannte man die
Schramberger "Salatfiedla". Ein Name, den die Schramberger
mit Humor tragen und der unter den Bürgern heute noch zu hören
ist. Der Hansel ist eine angesehene Figur, da er über die Fasnetstage
ca. 25000 Brezeln verteilt. |
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Der Schramberger
Narro wurde von Malermeister Karl Willomitzer geschaffen
und im Jahre 1950 von der Narrenzunft zugelassen. Die Holzlarve
ist aus Lindenholz
- nach dem Modell von Steinbildhauer Johannes Eisele -
und von Bildhauer Robert Volk geschnitzt. Sein Gesichtsausdruck bringt Lebensfreude
und die Narrenweisheit zum Ausdruck. Die schwarz, weiss und gelb geringelten
Füllhörner haben an den Enden je eine kleine Bronceschelle und sind
mit zwei Fuchsschwänzen an der Haube befestigt. Die beiden Fuchsschwänze
versinnbildlichen die doppelte Schlauheit, also noch schlauer wie der Hansel
mit einem Fuchsschwanz. Die bunte Masche, der Stehkragen und die schwarzen Bobbein
lassen ihn majestätisch erscheinen und stellen gleichzeitig eine optische
Verbindung zum Hansel her. Das Leinenhäs - ein overallartiger Anzug und
ein Bolero - zeigt auf der Brust das alte Stadtwappen mit dem Greif im Zahnrad
aus dem Jahre 1926. Historisches Zeugnis aus dem Jahre 1534 gibt der linke
Brustlatz. Er
zeigt die Burg Hohenschramberg. Darüber die sogenannte Fastnachtshenne,
die unsere Vorfahren zur Fastnachtszeit an die Burgherrschaft abliefern
mußten. |
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Dass
diese Zeit schon Jahrhunderte zurückliegt, wird durch die grosse
Spinne und
das von ihr gesponnene Netz versinnbildlicht. Der Salatkopf auf dem
rechten Brustlatz verrät noch den Beinamen "Salatfiedla",
und der darüber stehende stolze Hahn erinnert an das Fruchtbarkeitssymbol
und an die Besatzungszeit (gallischer Hahn) nach dem zweiten Weltkireg.
Das Netz mit der Spinne soll kund tun, dass auch heute noch viel
gesponnen wird. Schmetterlinge, Vögel, Fohrenzweige mit Zapfen,
Stechpalmen und Silberdisteln sind Symbol unserer engen Heimat und
sind auf den Ärmeln
zu sehen. Am Bolero sind vorne und an den Schultern kleine Bronceschellen
befestigt. Auf dem Rücken zeigt sich die "Hoorig Katz" fauchend
auf dem Dachfirst. Im Volksmund heisst dies: "Sie kann jedem
aufs Dach steigen". Auf dem Gesäss ist die astronomische
Uhr mit den Tierkreiszeichen aufgemalt. Sie erinnert an die heimische
Industrie.
Die Zeiger stehen auf 11 Uhr 11 und verweisen auf die Karnevalszeit,
die früher bei uns auch ihre Bedeutung hatte. Das alte Bauernpaar
auf den Vorderbeinen der Hose erinnern an die gute alte Zeit und
an die Überlieferung des Brauchtums. Auf der Rückseite
der Hose zwei Schramberger Originale. Der letzte Schramberger Butz
(Büttel)
in voller Montur und gegenüber der Erznarr Glaser Reiter, im
Nebenberuf Schütze und manchmal Wirt. Das Geschell des Narros
wird in der örtlichen
Flaschnerei Schinle in Handarbeit hergestellt. In der Hand hält
der Narro eine Strohtasche, gefüllt mit Süßigkeiten
und das Narrenbuch, in dem die Streiche festgehalten und illustriert
sind, die der Narro den Betroffenen und seinen Mitmenschen vorhält
und erläutert. |
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Der Da-Bach-na-Fahrer gehört
zu den eigenbrödlerischen Sonderformen des
Schwarzwaldes. Auch in Schramberg waren im vorigen Jahrhundert die
Flößer beheimatet und so wurde dieser Narrentyp nach dem
Vorbild der Flößer geschaffen. Zahnarzt Dr. Erwin Grüner
zeigte sich bereits im Jahre 1939 bei der Bach-na-Fahrt im Bachbett
der Schiltach mit seiner von ihm entworfenen Narrenfigur den damaligen
Besuchern der Bach-na-Fahrt. In der aus Lindenholz geschnitzte Holzlarve
erkennt man das Konterfei des Schöpfers. Als Kopfbedeckung eine
schwarze Zipfelmütze, tief in die |
Stirn
gezogen, so daß man im Nacken die strähnigen Haare sieht. Um
den Hals ist ein einfaches schwarzes Tuch gebunden. Der "Da-Bach-na-Fahrer" trägt
ein blaugestreiftes Flößerhemd, auf dem Rücken
eine aufgenähte "Hoorig Katz", eine schwarze Hose und bis zu
den Knien reichende Rohrstiefel. Um den Leib trägt er einen kleinen Holzzuber
mit der Aufschrift: "Da Bach na, da Bach na mit Kummer un mit Sorga, bis
am Asch-, bis am Asch-, Aschermittwoch-morga." Erst im Jahre 1955 wurde
dieser Narrentyp in die Hanselgilde der Narrenzunft aufgenommen. |
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Der Brüele,
ein trauriger Narr, an dessen Larve riesige Tränen herabrollen
und dessen Mundwinkel faltenreich und pessimistisch heruntergezogen sind. Brüele
bedeutet in schwäbischer Mundart so viel wie weinen. Über der Holzlarve
ist ein Strohhut angebracht, der an die hiesige Strohhutfabrikation des vorigen
Jahrhunderts erinnern soll. Der Brüele wurde entworfen und die Larve aus
Lindenholz geschnitzt von Karl Schaub. Das Häs erinnert an die Notzeit nach
dem zweiten Weltkireg. Nicht von ungefähr sind Jacke und Hose aus groben
Sackrupfen. Am unteren Saum der Jacke sind zwei Reihen schwarz-gelber Stoffflecken
und auf dem Rücken ist die "Hoorig Katz" aus schwarzem Stoff aufgenäht.
Mit einem farbigen großen Sacktuch wischt sich der Brüele die Tränen
ab und er hat, wie es sich für einen Pessimisten gehört, auch einen
Regenschirm bei sich, den er auch bei schönstem Sonnenschein aufspannt.
Um den Hals trägt er eine gelbe Krause schwarz paspeliert, die vorne mit
einer bunten Masche abschließt. Am Arm einen Henkelkorb mit Süßigkeiten
trippelt er weinerlich durch die Straßen. |
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Der "Endivie-Butz" (Büttel)
ist eine Einzelfigur und wurde erst 1995 neu geschaffen. Die Holzlarve
ist aus Lindenholz geschnitzt und erinnert mit seinem Gesichtsausdruck
an den letzten "Butz" von Schramberg, ein Original, der nach
Dienstschluss noch eine Gemüsehandlung betrieb (daher der Name
Endivie-Butz). Seine Uniform ist ein über das Gesäß reichender
blauer Rock mit blitzenden Messingknöpfen und gelber Paspelierung,
dazu eine schwarze Hose. Um den Leib ein weißes Koppel mit einem
weißen Schulterriemen, an der linken Seite trägt er einen
Säbel und in der Hand hat er eine Schelle zur Ankündigung
seiner Bekanntmachungen. Beim Hanselsprung geht er voraus und sorgt
für Ordnung. |
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Der Kehraus ist eine Einzelfigur, die ebenfalls in der Werkstatt
von Bildhauer Cajetan Schaub mitte der 20er Jahre entstanden ist.
Die Larve hat einen stark
verzerrten Gesichtsausdruck. Als Kopfbedeckung trägt er einen verformten
schwarzen Zylinder mit einem Frühlingsstrauß. Sein Anzug besteht aus
einem groben weißen Sackleinen und ist unbemalt. Um den Hals eine gelbe
Krause mit schwarzen Bobbeln, eine Schleife und an der linken Brustseite Seitentücher.
Mit dieser Einzelfigur wurde eine Fasnetsgestalt geschaffen, die an die Austreibung
des Winters erinnert. So geht er dem Hanselsprung voraus und fegt mit einem großen
Besen den "Rest des Winters" aus den Straßen. |
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Fasentstermine
der Schramberger Narrenzunft |
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| Fasnets-Samstag |
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11.00 Uhr Übernahme des Rathausschlüssels vor dem Rathaus |
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| Fasnets-Sonntag |
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14.30 Uhr Hanselsprung mit Brezelsegen |
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| Fasnets-Montag |
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10.00 Uhr Katzenmusik vor dem Rathaus
- 11.00 Uhr Umzug der gemückten Zuber
- 13.00 Uhr Bach-na-Fahrt auf der Schiltach
- 14.30 Uhr Großer Fasnetsumzug |
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| Fasnets-Dienstag |
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14.00 Uhr Kinderball im "Bärensaal"
- 16.00 Uhr Brezelsegen in der Innenstadt
- 17.15 Uhr Abschluß der Straßenfasnet auf dem Rathausplatz |
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Änderungen
vorbehalten |
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Zunftmeister:
Hubert
Dold
Am Hammergraben 46
78713 Schramberg
Telefon:
07422 / 7981
Telefax: 07422 / 1015
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